Gruß aus der Kirche


Sonntag, 24.01.2021  - 3. Sonntag nach Epiphanias

Wochenspruch

„Es werden kommen von Osten und Westen, von Norden und von Süden, die zu Tisch sitzen werden im Reich Gottes.“ Lukas 13, 29

 

Wann saßen Sie zuletzt an einer großen, festlich gedeckten Tafel? Mit Sehnsucht blicken wir zurück und denken lange nach. Ich kann Ihnen genau sagen, wann ich das letzte Mal in einer großen Runde gespeist und gefeiert habe: Es war Freitag, der 6. März 2020. Im Januar hatten wir die Einweihung unserer renovierten Kirche gefeiert. Unsere neuen, weißen Tische waren in zwei langen Tafeln gestellt, wir haben sie bunt geschmückt in rot, grün und gelb, den Farben Simbabwes. Unser motiviertes ökumenisches Weltgebetstagsteam hatte gekocht und landestypische Speisen und Salate zubereitet. Mit dem Chor sangen wir aus voller Kehle die Weltgebetstagshymne: „Der Tag ist um, die Nacht kehrt wieder, auch sie, o Herr, ist deine Zeit.“ Dabei dachten wir, wie das Lied um die Welt geht. Menschen aller Länder haben es am 6. März gesungen. So wie die Sonne weiterzieht, so zieht auch dieses Lied durch die Länder dieser Erde. „Wie über Länder, über Meere der Morgen ewig weiterzieht, tönt stets ein Lied zu Deiner Ehre, Dein Lob, vor dem der Schatten flieht.“ Wir waren verbunden, wir Evangelischen mit den Katholischen, wir in Deutschland mit den Frauen Simbabwes und mit den Menschen dieser Welt. Welch ein Fest! Doch so mancher ahnte, dass wir lange nicht mehr im großen Kreis zusammenkommen werden. Wie wird es dieses Jahr werden, wenn es am 5. März 2021 heißt: Auf in Gedanken nach Vanuatu! Schon alleine der Ort ist exotisch und macht neugierig. Wie mag es aussehen auf dieser Inselgruppe im Pazifischen Ozean, hinter Papua-Neuguinea? Wie mag es aussehen in der Kirche im März? Weltgebetstag mit Abstand ohne die schmissigen Rhythmen und hinreißenden Melodien, ohne Chor im schwingenden Modus, ohne die köstlichen landestypischen Speisen, wie Bananen Dessert und Ingwer Kuchen, Hühnchen mit Curry und Kokos und Bildern wie aus dem Garten Eden? Wir werden unsere weltweite Tafel vermissen, die ökumenischen Begegnung und unsere Freundinnen und Freunde aus der Weltgebetstagsbewegung. Wir wissen wie es sein kann, wir wissen, wie es schmeckt, wir wissen, wie es klingt und schwingt. Wir kennen unsere Freude daran und würden so gerne wieder begeistert sein.

Die Menschen zur Zeit Jesu kannten eine solch Grenzen überschreitende Freude nicht. Man blieb unter seinesgleichen. Ein freier Mann speiste nicht mit einem Sklaven, eine Frau saß nicht mit Männern zu Tisch. Ein Römer gab sich nicht mit einem Barbaren ab, ein Reiner nicht mit einem Unreinen, ein Beschnittener nicht mit Unbeschnittenen. Die Welt war eingeteilt und du bleibst in deiner Kiste. War das nicht auch lange noch bei uns so? Denken wir nur ans standesgemäße Heiraten, Geld zu Geld, Hof zu Hof. Wehe der Junge bringt uns eine Andersgläubige ins Haus! Womöglich noch so ein Flüchtlingsmädchen aus dem Osten!

Die geistigen Schubladen zur Zeit Jesu klemmten und quietschten gewaltig. Da war wenig Bewegung drin. Man hielt sich jeweils für was Besseres. Gott wird uns schon einen VIP Platz reservieren, so dachte man. Jetzt das: Du wirst staunen, wer sich da alles an Gottes Tafel tummelt. Menschen, die du nie einladen würdest. Von Osten und Westen, Norden und Süden: Barbaren und Unreine, Ungläubige (wie du sie nennst) und von dir Unbeachtete. Den Hörern Jesu muss der Appetit auf dieses Fest vergangen sein. Neben denen sollen wir sitzen? „Es sind Letzte, die werden die Ersten sein, und sind Erste, die werden die Letzten sein“, setzt Jesus noch drauf.

Heute sehnen wir uns nach einem solchen Fest! Nach offenen Kirchentüren, nach langen Tafeln, nach Gästen aus der Nähe und der Ferne, nach Speisen aus aller Herren Länder. Wir haben bald ein Jahr lang Diät gehalten an solchen Festen und an fernen und fremden Gästen. Doch Gottes Einladung gilt weiterhin: In seinem Reich brauchen wir keine AHA Regeln, da sitzen wir dann wieder Reisepass unabhängig quer durcheinander, schillernd in allen Hautfarben. Auch wenn die nächsten Wochen noch entbehrungsreich werden: Das Bild von Gottes großem Fest ist unser Ziel. Vielleicht können wir jetzt noch mehr schätzen, wie wertvoll diese Perspektive ist. In Gedanken verbunden werden wir auf jeden Fall am 5. März zusammenkommen und im Wohnzimmer singen: “Kaum ist die Sonne uns entschwunden, weckt ferne Menschen schon ihr Lauf.“ Wir teilen Sonne, Sterne und die Erde – warum nicht auch die Festtafel des Lebens.

Genießen wir Gedanken und Augenblicke, die uns verbunden halten in unseren Gemeinden und weltweit!

Ihre Pfarrerin Anke Doleschal


Sonntag, 17.01.2021  - 2. Sonntag nach Epiphanias

Wochenspruch

 „Von seiner Fülle haben wir alle genommen Gnade um Gnade.“   Johannes 1, 16

 

Fülle? Eher entbehrungsreich erscheint uns gerade unser Alltag. Doch an der Körperfülle nagt das nicht. Wir essen gut. Wir kaufen trotzdem ein. Wir schlafen mehr und gehen öfter an die frische Luft. Es soll sogar Menschen geben, die über Langeweile klagen. Welch ein Luxus! Reduziert auf das Wesentliche an Einkäufen betrachten wir unser Leben und stellen fest: Wir leben in Fülle. Wir haben genug, um im Hausstand auszumisten, die Schränke sind voll, der Kühlschrank auch. Selbst im farblosen Januar, der sonst auch nicht reich an Abwechslung war, bietet uns die Natur schöne Schauspiele. Unser Bett ist weich und Schlaf gibt es gratis. Das alles nehmen wir einfach an und halten es für selbstverständlich. Wie schlafen die Menschen im Gefängnis in Belarus? Was essen die Kinder im Jemen? In manchen Ländern trauen sich die Menschen zum Spazierengehen nicht aus dem Haus. Wir alle hätten Fülle, wenn der Mensch nicht dem Menschen zur Gefahr werden würde. Gott hat es anders für uns geplant. Es ist der Mensch, der dem anderen die Fülle abgräbt und missgönnt, der ihn nicht Mensch sein lässt und ihn nicht in Frieden lässt.

In diesen Epiphaniaswochen hören wir von Sonntag zu Sonntag mit welcher Fülle wir beschenkt sind. Da geht Jesus auf ein Hochzeitsfest und erfährt von seiner Mutter, die im Cateringbereich wirkt, dass der Wein ausgeht. Jesus lässt nicht zu, dass die Brautleute wegen dieses Mangels blamiert dastehen und das Fest auf einmal beendet ist. Er sorgt für Wein, für besseren als den ausgegangenen. Das ist Fülle. Er kümmert sich nicht alternativ um Traubensaft oder um ordentlichen Wein. Nein, er liefert köstlichen. Diese Begebenheit verschafft Jesus den Titel: „Freudenmeister“. Das göttliche Konzept für uns Menschen ist kein sparsames, kleinliches, abgezähltes. Es ist ein breiter Strom von Freude und Überfluss. Doch was nutzt uns das, wenn die Seele keine Ruhe findet, was nutzt uns alles, wenn Schuld uns plagt? Luther kannte das plagende Nagen in der Seele. Da wollte er als Mönch alles recht machen und doch wusste er, dass er nie eine reine Seele haben wird. Immer wieder tappen wir daneben, auch wenn wir es gut meinen. Da ist auf einmal jemand gekränkt, ohne dass wir es wollten. Da haben wir fröhlich vor uns hingelebt und völlig übersehen, dass der Nachbar schräg gegenüber eigentlich mal unsere Nachfrage gebraucht hätte. In der Eile beim Einkauf haben wir nicht zum fair gehandelten Kaffee gegriffen, sondern uns vom niedrigen Preis leiten lassen. Die über Weihnachten verdrückte Schokoladen und all die Pralinen sind auch nicht aus reinen Händen. Haben Kinder den Kakao ernten müssen? Traurige Kinderschokolade. Wir blättern durch das Fotoalbum unserer Urlaubserinnerungen. Die nette Zimmerfrau, wie sie doch so schön den Schwan aus Handtüchern auf dem Bett dekoriert hat! Ist sie jetzt arbeitslos? Haben wir sie damals eigentlich richtig bezahlt? Auf wessen Kosten haben wir den billigen Preis bekommen? Wir haben fröhlich gelebt und nichts Böses gewollt und doch läppert sich Schuld zusammen. Man könnte verzweifeln. So oft rutscht man in etwas rein. So oft fällt ein Wort, das sich nicht ausradieren lässt. So oft liegen wir gedanklich falsch. Wir sind Menschen mit Fehlern.

Es ist wohl nicht nur die Melodie, die uns so berührt, wenn wir „Amazing grace“ hören, gern auf dem Dudelsack gespielt: Das Lied singt von der erstaunlichen Gnade, die uns rettet. Früher, also vor Jesus, waren wir verloren und blind, aber jetzt können wir sehen und wissen wo wir stehen. Auch darauf bezieht sich Gottes Großzügigkeit mit seiner Fülle. Er rechnet nicht auf und rechnet nicht mit uns ab. Aber rechnet damit, dass wir es zu schätzen wissen und weitergeben.

So übersetzt der Kirchenliederdichter Siegfried Macht das berühmte Lied: „Die Gnade Gottes ist ein Lied, das stets für mich erklingt. Einst war ich taub, nun höre ich die Welt, die um mich singt.

Die Gnade Gottes ist das Kreuz, das Leben schließt zum Kreis: Die Gnade hat den Tod durchkreuzt ihr sei Lob, Ehr und Preis.“

Es gibt mehr Fülle als volle Einkaufwagen, weiche Betten und schöne Natur. Es gibt Gottes vergebende Liebe in Fülle. Die brauchen wir auch. Wer viel bekommt, kann viel weitergeben – nicht nur Sachspenden, sondern auch gütige, versöhnende, verbindende Gedanken und Worte.

Eine Woche der Fülle wünsche ich Ihnen

Ihre Pfarrerin Anke Doleschal

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Auf zum Fest!
Pfarrerin Doleschal spricht zum 2. Sonntag nach Epiphanias zu Johannes 2, der Hochzeit von Kana
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Das Lied zum Sonntag
In dir ist Freude, EG 398, ursprünglich ein Tanzlied, eine Gaillarde
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Bringt Schwung am Sonntagmorgen
"Steht auf, ihr Lieben Kinderlein..." EG 442, mit Swetlana Renz an der Orgel, gesprochen von Anke Doleschal
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Sonntag, 10.01.2021 - 1. Sonntag nach Epiphanias

Wochenspruch

„Welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder.“ Römer 8,14

 

Nachdenkliche und außergewöhnlich stille Festtage liegen hinter uns. Auch die Neujahrsempfänge liegen im tiefen Coronaschlaf. So mancher hat seine Neujahrsbrezel am Küchentisch verspeist. Geschmeckt hat sie trotzdem. Der Januar hat nun wenig zu bieten: der Himmel kämpft gegen das Grau, die Luft ist ungemütlich kühl, im Garten gibt es nichts zu tun und aufgeräumt haben wir bereits. So haben wir jetzt den Kopf frei für das, was das Kirchenjahr zu bieten hat. Ab dem 6. Januar, dem Epiphaniastag, was „Erscheinung“ heißt, leuchtet es uns mit strahlendem Glanz entgegen. Wir befinden uns wohl in der hellsten Phase des Kirchenjahres. Sonntag für Sonntag begleiten wir Jesus auf dem Weg in seine Wirkungszeit. Der 1. Sonntag nach Epiphanias feiert Jesu Taufe: „Das ist mein lieber Sohn, auf den sollt ihr hören“, vernehmen die Umstehenden am Jordan. Ihn treibt der Geist Gottes. „Wen der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder“, stellt Paulus fest. Die Bedeutung können wir heute kaum ermessen. Galt Gott damals als unnahbar, als verhüllt und fern, für Frauen und Kinder unerreichbar und nur für erwachsene Männer mit geeigneter Vorbildung ansprechbar, so hören wir Worte der Nähe: „Mein Sohn!“ „Gottes Kinder!“ Das ist eine Bewegung der Nähe, wie wir sie vielleicht erst erahnen können, wenn wir zum ersten Mal wieder unsere Nachbarn und Freunde in den Arm nehmen dürfen. Der ferne Gott kommt uns nah und wir dürfen seine Kinder sein. Jesus ist es, der uns diese Tür aufschließt. Doch natürlich heißt es nicht in diesen Festsaal der Nähe hineinzutrampeln mit gleichgültiger Selbstverständlichkeit. Dazu braucht es Geist. „Welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder.“ Nicht einfach treiben lassen! Nein, von Gottes Geist treiben lassen. Wie das geht, gibt uns Jesus an die Hand. Die Jahreslosung für 2021 ist ein markantes Wort aus Lukas 6: „Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist.“ Dieser ungewöhnliche Start ins Jahr gibt uns mit seiner Ruhe die Chance zu überlegen, wo wir uns tatsächlich von Gottes Geist inspirieren lassen, vom Geist der Barmherzigkeit, der Dankbarkeit, der Achtung vor dem anderen. Es ist nicht die Zeit der unreflektierten, polternden Parolen, Ellenbogen und Schuldzuweisungen. Es ist nicht die Zeit der Privilegien und des Haben Wollens. Die Zeit ist gekommen für einen neuen Geist, für ein Herz, das sich erbarmt und mitfühlt. Nur so wird es uns gelingen weltweit Menschen wieder Zukunft, Brot und Hoffnung zu bringen. Wir leben nicht für uns - auch wenn wir unsere Häuser in der letzten Zeit nicht verlassen haben. Öffnen wir, wenn es dunkel wird unsere Fenster und blicken in den Himmel. Entdecken Sie den Abendstern, den ersten am Abendhimmel. Er wacht über der Nacht bis zum Morgen und ist der letzte am Morgenhimmel. Er geht mit uns durch die Dunkelheit der Nacht. Deshalb wird Jesus in den strahlenden Epiphaniasliedern auch Morgenstern genannt. Unser Stern kann uns leiten durch das Jahr 2021, das Jahr, das von uns Barmherzigkeit und Gottes guten Geist fordert.

So wird es uns gelingen!

Ein gesegnetes Neues Jahr mit erfüllter Hoffnung!

Ihre Pfarrerin Anke Doleschal

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Pfarrerin Doleschal spricht über die Taufe Jesu nach Matthäus 3, 13-17
Mit herzlichen Grüßen zum 1. Sonntag nach Epiphanias. Pfarrerin Doleschal spricht über die Taufe Jesu nach Matthäus 3, 13-17
Pfarrerin Doleschal spricht über die Tau
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"Jesuskind, wo bist du?"
Vertonung des Gedichtes "Jesuskind, wo bist du?" von Jean Anouilh, Musik : Siegfried Macht, am Klavier Swetlana Renz, gesungen von Anke Doleschal
Jesuskind, wo bist du.mp3
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Mittwoch, 06.01.2021 - Epiphanias

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Gedanken zu Epiphanias und Matthäus 2, 1-12
von Pfarrerin Anke Doleschal
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"Stern über Bethlehem"
gesungen von Anke Doleschal, am Klavier Swetlana Renz
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2. sonnatg nach dem Christfest

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Hörandacht
Pfarrerin Anke Doleschal spricht zu Lukas 2, 41-52, der zwölfjährige Jesus im Tempel
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"Gottes Segen behüte dich nun"
neues Gesangbuch Nr. 146
mit Swetlana Renz und Anke Doleschal
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"Auf Seele, auf und säume nicht, es bricht das Licht hierfür"
EG 73, gesprochen von Anke Doleschal, an der Orgel Swetlana Renz
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Jahreswechsel 2020 - 2021

In hoffnungsvollem Grün erstrahlt die Evang. Katharinenkirche in Seelbach


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"Von guten Mächten"
gesungen von Anke Doleschal, am Klavier Swetlana Renz
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Pfarrerin Doleschal spricht zur Jahreslosung
2021: Jesus Christus spricht: Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist! "
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"Du kannst nicht tiefer fallen als nur in Gottes Hand"
EG 533, gesprochen von Pfarrerin Doleschal, an der Orgel Swetlana Renz
Silvester4.mp3
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"Das Jahr geht still zu Ende, so sei auch still, mein Herz."
EG 63, gesprochen von Pfarrerin Doleschal, an der Orgel Swetlana Renz
Silvester5.mp3
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"Bleib bei mir, Herr! Der Abend bricht herein"
EG 488, gesungen von Anke Doleschal, an der Orgel Swetlana Renz
Silvester6.mp3
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1. sonnatg nach dem Christfest

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Gedanken zum 1. Sonntag nach dem Christfest
zu Lukas Kapitel 2, 22 bis 44
von Anke Doleschal
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Orgelspiel
von Swetlana Renz
Engel auf den Feldern
02 1. Sonntag nach dem Christfest.mp3
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2. Weihnachtstag

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Gedanken zum Zweiten Weihnachtstag
von Pfarrerin Anke Doleschal
01 2. Weihnachtstag.mp3
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1. Weihnachtstag

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Gedanken zum 1. Weihnachtstag
von Pfarrerin Anke Doleschal
01 1. Weihnachtstag.mp3
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Ich steh an der Krippe hier
Swetlana Renz an der Orgel und Anke Doleschal Gesang
02 1. Weihnachtstag.mp3
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Fröhlich soll mein Herze springen
Swetlana Renz und an der Orgel, Text Gesprochen von Pfarrerin Anke Doleschal
03 1. Weihnachtstag.mp3
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Weihnachtsgeschichte nach Matthäus aus dem 2. Kapitel
gelesen von Pfarrerin Anke Doleschal
04 1. Weihnachtstag.mp3
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Heiliger Abend

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Hörimpuls zum Heiligen Abend
Pfarrerin Anke Doleschal spricht zu Lukas 2, 10 und 11: "Fürchtet euch nicht! Siehe ich verkündige euch große Freude, die Allem Volk widerfahren wird..."
Einen gesegneten Heiligen Abend Ihnen daheim!
01 Heiliger Abend.mp3
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Stille Nacht, Heilige Nacht
gesungen von Swetlana Renz (Klavier) und Anke Doleschal
02 Heiliger Abend.mp3
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Vom Himmel hoch da komm ich her
Martin Luthers Weihnachtslied gesungen von Anke Doleschal und Swetlana Renz am Klavier
03 Heiliger Abend.mp3
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O du fröhliche
an der Orgel mit Swetlana Renz.
In der dritten Strophe erklingt der Zimbelstern
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Die Weihnachtsgeschichte
nach Lukas 2, gesprochen von Anke Doleschal
05 Heiliger Abend.mp3
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Wir läuten die Glocken um 16 Uhr für Ihre Feier daheim



GEdanken zum 4. Advent

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Besuch bei Abraham und Sara aus dem 1. Buch Mose 18,1-15
Hörimpuls zum 4. Advent.mp4
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Tochter Zion, freue dich!
gespielt von Swetlana Renz an der Orgel
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Es kommt ein Schiff geladen
gesprochen von Pfarrerin Anke Doleschal, begleitet von Swetlana Renz an der Orgel
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Musikalischer Gruß "Es ist ein Ros entsprungen" von Herbie Wickertsheim aus der Friedhofskapelle




Einstimmung auf den Engelweg

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Telefondandacht Engelweg
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Sonntag, 20.12.2020 - 4. Sonntag im Advent

Wochenspruch: Freuet euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich:

Freuet euch! Der Herr ist nahe! Phil. 4,4.5b

 

Ihr habt es noch nicht richtig verstanden, das sehe ich an euren Gesichtern. Also nochmal…So geht’s uns Lehrern in der Schule. Auch Paulus muss es zweimal sagen. „Freuet euch!“ In diesen Tagen genügt zweimal nicht. Während ich diese Zeilen an Sie richte, überlegen die Minister wie es weitergehen soll. Dürfen wir noch aus dem Haus? Hört die Schule nun doch früher auf? Werden wir im Freien Weihnachten feiern dürfen? Oder kommt der Weihnachtsgruß online ins Haus?

Eines steht fest: Zu Hause bleiben ist am sichersten. Wer so plant, hat Weihnachten und Gesundheit wasserdicht gemacht.

Und was ist nun mit der Freude? Die alte Freude ist dahin. Von ihr können wir uns verabschieden. Volles Haus, dampfende Töpfe, Chaos unterm Esszimmertisch, Bäumchen bewundern bei Freunden, Schnapsrunde mit den Kameraden, Zweiter Weihnachtstag für die Schwiegereltern - die alten Konzepte zur Bewältigung des Weihnachtstrubels können wir getrost an die Rentiere des Weihnachtsmanns verfüttern. Mancher atmet sogar auf. Endlich mal ein Weihnachten bei dem wir zur Besinnung kommen und nicht bis zur Besinnungslosigkeit durchgetaktet sind. Allein sein? Das war doch sonst undenkbar. Aber jetzt dürfen wir das mal  ausprobieren. Haben wir uns bisher nur gefreut, weil Gäste kamen und der tolle Handstaubsauger eine super

Geschenkidee war?

„Freuet euch, der Herr ist nahe!“ Er will bei uns sein. Für viele Gäste haben wir früher den Tisch gedeckt. Aber hatten wir noch Platz für ihn? Wir stellen Christstollen auf den Tisch, ohne daran zu denken, dass er das Kind in Windeln darstellt. Wir naschen Lebkuchen, den klösterlichen Heilkuchen zum Leben, erinnern uns aber nicht an den Heiland, der Heil und Leben bringt. Wir zünden Kerzen an. Jede will an ihn, das Licht der Welt, erinnern. Wir freuen uns über die vierte Kerze am Adventskranz. Doch wer denkt daran, dass der Adventskranz der Siegerkranz ist? Die Wartezeit ist erfüllt, es kommt der, der den Tod besiegen wird. „Heut schließt er wieder auf die Tür zum schönen Paradies“, so singen wir.

Schauen wir uns um. Unsere Deko, was erzählt sie uns? Unsere Bräuche, was steckt hinter ihnen? Diesmal können wir in die Tiefe gehen und Weihnachten wirklich erleben. Auch schlafen dürfen wir! Endlich! Wie sind doch die Träume in der Weihnachtsgeschichte wichtig. Kommen Sie gerade nicht drauf, welche ich meine? Dann spazieren Sie auf dem Seelbacher Engelweg von der Evang.

Katharinenkirche bis zur Katholischen Nikolauskirche. Da begleite ich Sie mit Gedanken, Geschichten, Bildern und Gedichten und gebe Ihnen Einblick in die Träume der Weihnachtsgeschichte.

So kommt sie bestimmt, diese Freude. Sie ist kein Feuerwerk, sie hat auch nichts vom weinseligen Gelächter einer späten weihnachtlichen Runde. Sie ist eine stille, leise Freude, die aufgeht wie Sonne am Weihnachtsmorgen. Sie kommt, wenn Sie zufrieden sind und keine Angst haben etwas zu verpassen. Paulus hat diese Freude. Dabei befindet er sich im ultimativen, absoluten und aussichtslosen Lock Down. Da ist unser Lock Down ein Genuss dagegen! Paulus sitzt im Gefängnis. Durch die Gitterstäbe dringt die Freude in seine Zelle. Er nimmt es lässig mit seiner Gefängnishaft, denn er vertraut, dass der Herr nahe ist. Diese Nähe macht ihn froh. Weihnachten fällt nicht aus. Nur das, was wir aus Weihnachten gemacht haben kann so nicht stattfinden. Weihnachten ist dort,

wo die Freude einzieht, dass der, den wir feiern auch bei Ihnen sein will.

Im Neuen Jahr lesen Sie wieder von mir. Bis dahin wünsche ich Ihnen die wahre Weihnachtsfreude und einen entspannten, ausgeruhten Start ins Neue Jahr!

Ihre Pfarrerin Anke Doleschal


Sonntag, 13.12.2020 - 3. Advent

Wochenspruch

„Bereitet dem Herrn den Weg; denn siehe, der Herr kommt gewaltig.“ Jesaja 40, 3.10

 

Durch die sandige Steppe zu stiefeln ist genauso mühsam wie eine Schneewanderung. Ständig gibt der Boden nach, man scheint schier nicht vorwärts zu kommen, die Sichtachsen wollen sich nicht verändern. Dann kreuzen tiefe Schluchten, die Wadis, den Weg. Vorsicht, jetzt kommen Geröll und Felsbrocken. Es geht rauf und runter. Eine Wüstenwanderung muss man wollen, da fliegen die Schritte nicht so leichtfüßig wie auf unseren Schwarzwaldwegen. Endlich eine Ebene! Ein befestigter Weg! Was würde man nach drei Stunden Wüstentour für eine feste Schotterpiste geben! Was heute möglich ist, war damals ein Traum! Für Jesaja eine Vision: Da zieht unser Herr durch die Wüste, aufrecht mit ausladenden Schritten. Vor ihm ducken sich die Hügel und erheben sich die Täler. Es ist gewaltig anzusehen. Alles, was im Wege steht, alles, was uns von ihm trennt, schmilzt dahin. Er kommt uns immer näher. „Bereitet dem Herrn den Weg“. Da gibt es einige Felsbrocken, die wir auf der Seele haben. Etliche tiefe Täler, in die wir abgerutscht sind in unserem Leben. Jesaja erinnert uns daran: mach die Wüste deines Herzens zur blühenden Steppe. Schieb die Brocken aus deinem Leben, die dich von ihm trennen. Räume den ganzen Ballast weg, bereite dem Herrn den Weg in dein Herz.

Hunderte Jahre später steht ein Mann im Kamelhaarmantel am Jordan und predigt deftig. Er hat den alten Propheten Jesaja absolut verinnerlicht und spricht wie er. Es ist Johannes, der Täufer. Da ruft er puristisch gekleidet und bescheiden in seiner Lebensführung den Menschen zu: „Bereitet den Weg des Herrn…Alle Berge und Hügel sollen erniedrigt werden…und was uneben ist, soll ein ebener Weg werden.“ Nein, Johannes arbeitet nicht im Straßenbau. Er ist Brückenbauer zwischen Gott und Mensch. Er mahnt zur Buße und schleudert den reichen Zuhörern den Satz entgegen: „Wer zwei Hemden hat, der gebe dem, der keins hat. Wer zu essen hat tue ebenso. Zu den Zöllnern sagt er: „Fordert nicht mehr, als vorgeschrieben ist.“ Und auch den römischen Soldaten gibt er etwas mit: „Tut niemanden Gewalt oder Unrecht und lasst euch genügen an eurem Sold.“ So ein Mann gehört in die UNO. Johannes möchte ich überall eingesetzt wissen: In der Finanzbranche, beim Militär, in der Weltpolitik. Malen Sie sich mal aus, wie unsere Welt aussehen würde, wenn wir uns an die wenigen Sätze des markanten Täufers vom Jordan halten würden.

Räumt euer Herz auf, ist seine Devise. Das ist die Vorbereitung für den, den ihr erwartet. 

Baum, Deko, Kerzenschein ist alles fein. Aber nicht wesentlich. Räume die überheblichen Felsen aus deinem Herzen und die tückischen Talsenken, die Stolpersteine und Disteln. Putz nicht das Wohnzimmer, ebne dein Herz.

Johannes ist einer meiner großen Favoriten. Er ist bescheiden in seinen Ansprüchen, trägt nur diesen einen Mantel, der in der Nacht wärmt und am Tag kühlt, isst gegrillte Heuschrecken und zum Nachtisch Honig aus der Wabe. Er ist knackig in seinen Formulierungen und er hat seinen Kopf riskiert. Da sitzen wir gemütlich im Sessel, knabbern am Schokonikolaus und bedauern, dass wir zunehmen. Johannes, der top Mann des Advents, macht uns klar, wie man auf Jesus wartet. Johannes befreit uns von dem ganzen Weihnachtsstress. Er zeigt uns, worauf es ankommt. Alles andere ist nette Nebensache. Nehmen wir es also locker, wenn wir dieses Jahr nicht die perfekte Christmasparty über die Bühne geht.  Genießen wir die Ruhe, setzen uns gedanklich an den Jordan und lauschen dem Mann, von dem Lukas im 3. Kapitel schreibt. Blicken wir in uns und machen innerlich klar Schiff. Dann können wir beherzt einstimmen und singen: „Komm, o mein Heiland, Jesu Christ, meins Herzens Tür dir offen ist.“ (EG Nr. 1, 5)

Einen innigen und zu Herzen gehenden 3. Advent

Ihre Pfarrerin Anke Doleschal

 


Sonntag, 06.12.2020  - 2. Advent

Wochenspruch

„Seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht!“  Lk.21,28

 

Wer unter Rückenschmerzen leidet weiß, dass nicht immer der Rücken daran schuld ist. Da drückt was anderes. Wir kennen die Nackenverspannung, wenn einfach alles zu viel wird. Da nützt auch kein „Kopf hoch und Brust raus!“ Die Rückenschmerzen vergehen, wenn das Problem gelöst ist, wenn der Stein vom Herzen fällt und nichts mehr auf dem Magen liegt. Dann atmen wir durch, richten uns auf, ziehen den Pulli mit den fröhlichen Farben an und stellen fest, dass die Sonne scheint.

Krisen drücken uns nieder. Auch jetzt hangeln wir uns einander aufmunternd zulächelnd durch die Adventszeit. Doch Sorgen gehen mit: Wird man sich noch anstecken, bevor die Impfstoffe wirken? Wie schlagen sich die sogenannten „Genesenen“ durchs Leben? Man macht sich Sorgen um Nachwirkungen der Infektion. Wir denken an die Gastwirte, bei denen wir jetzt gerne eingekehrt wären und ordentlich was auf den Tisch gelegt hätten. Wir bangen um den Arbeitsplatz und Freunde im Ausland. Das geht aufs Gemüt, das zieht in den Nacken. Da senken wir den Kopf und kriegen einen Buckel.

Nikolaus kann uns da verstehen. Er wirkte in einer sehr angespannten Phase. Die Christenverfolgung war noch in vollem Gange. Erst mit Kaiser Konstantin wendete sich das Blatt. Als er zum Konzil nach Nizäa einlud, war Nikolaus, Bischof von Myra, auch dabei. So mancher seiner Kollegen trugen Narben und Verletzungen der Christenverfolgung.

Nikolaus kannte Not und Leid. Schon als junger Mann wusste er junge Frauen vor Prostitution zu bewahren. Später als Bischof setzte er sich ein gegen Versklavung von Kindern, Vernachlässigung der Waisen, der Alten und der sozial Benachteiligten. „Bischof, der das Volk versteht, dem die Not zu Herzen geht, in der größten Hungersnot hast du Korn gebracht fürs Brot,“ dichtete Siegfried Macht.

Es ist schon ein weiter Weg vom sozial engagierten Theologen zum Mann aus Schokolade.

„Schokolade ist jetzt die einzige Freude, es ist ja alles weggefallen, was uns sonst glücklich macht“ hörte ich neulich. „Seht auf“, ruft uns der Wochenspruch zu. Blick heben! Wie schön kämpft sich die Sonne durch den Nebel, wie herrlich durchflutet das Licht die bewaldeten Berge, welch ein Schauspiel erleben wir Morgen für Morgen.

Ist Advent wirklich nur der Konsum von gemütlichen Ereignissen, glanzvollen Märkten und der Frage ob Anis in den Glühwein soll oder nicht?

Advent ist die Wartezeit. Worauf warten wir? Auf den Gänsebraten, der uns dann am Festtag schwer in den Sessel drückt? Auf den Besuch, für den wir vorher alles gut durchputzen und anschließend dann wieder? 

Warten wir auf die Bekundung, dass wir einander so liebhaben, obwohl vor ein paar Wochen die Fetzen flogen und das nächste Gewitter droht?

Das kann es doch auch nicht gewesen sein.

„Erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht!“

Uns ist etwas anderes angekündigt! Viel hochwertiger! Erlösung. Nikolaus hat sie erlebt. Das Ende der Verfolgung. Wir werden es erleben. Der Impfstoff wird kommen. Erlösung ist Gerechtigkeit, nicht nur für dich und mich, sondern weltweit. Erlösung von Mächtigen, die andere niederdrücken, Erlösung von Knien in den Nacken anderer, Erlösung von Herrschern, die es vermeiden Leid zu beenden, Erlösung von Präsidenten, die an ihrem Stuhl kleben.

Erlösung ist etwas Großes, Befreiendes, Aufrichtendes.

Erlösung nimmt den Schmerz vom Rücken.

Wenden wir uns der Erlösung zu. Die Deko ist da Nebensache.

 

Einen aufrichtenden 2. Advent und tiefgehenden Nikolaustag wünscht Ihnen

Ihre Pfarrerin Anke Doleschal

Sonntag, 29.11.2020 - 1. Sonntag im Kirchenjahr 1. Advent

Wochenspruch

„Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer.“ Sacharja 9,9b

 

Für Könige kann ich mich nicht sonderlich begeistern. Allerdings machen uns die hübschen Bilder in den Hochglanzmagazinen Freude, vertreiben uns das Zittern beim Arztbesuch oder langweilige Einwirkungszeiten beim Friseur. Wenn jedoch die schöne Frau an der Seite des Königs mit goldenen Stöckelabsätzen zu karitativen Anlässen erscheint, wie vor einiger Zeit Königin Rania von Jordanien, dann fragen wir uns, ob das Geld nicht besser in das Volk zu investieren wäre. In Thailand wollen sie ihren König nun loswerden und so manches Geld wäre in Bildung, Gesundheit und gerechter Behandlung weitaus besser angelegt.

Auch zu biblischen Zeiten drückte das Joch der Könige. Ihre politischen Fehlentscheidungen brachten Propheten wie Jeremia zur Verzweiflung. Als der Wunsch nach einem König im Volk laut wurde, warnten die Propheten bereits: Er wird das Beste für sich wollen und ihr werdet es bringen müssen. Ein König ist eine teure Angelegenheit und bringt dem Volk meistens nur dekorative Freuden.

In biblischen Zeiten wäre ich wohl mit meiner Zunge im Kerker gelandet und hätte dort so manchen Gleichgesinnten getroffen.

Da warten sie, die Unterdrückten, die mundtot Gemachten, die auf Gerechtigkeit Hoffenden und die sich nach Frieden Sehnenden.

Siehe! In die Dunkelheit der Bedrängnis dringt ein Lichtstrahl. Siehe! Da! Dein König kommt zu dir! O nein, bloß nicht einer von denen. Es ist dein König, der eine Antwort ist auf deine Hoffnung. Deiner! Er ist ein Gerechter und ein Helfer! Das ist der, auf den du wartest. Können wir uns vorstellen, wie sich bei solchen Worten die gebeutelten und gebeugten Menschen aufrichten, wie sie zum ersten Mal wieder gerade stehen, weil sie mit großen Augen Ausschau halten? Er ist anders als all die anderen. Er ist arm und reitet auf einem Esel! Nein! Das ist ein Witz in der Welt des Orients. Ein König auf einem Esel! Kommt da der Hofnarr? Ein König reitet doch auf einem Kamel mit prächtig geschmücktem Sattelzeug. Oder er galoppiert auf seinem Lieblingshengst wie Alexander auf Bukephalos. Schneidig, markant und arrogant. Unser König aber ist arm und sitzt auf einem Esel. Ja, lacht nur! Er ist anders. Dafür ist er unser Helfer und ein Gerechter. Das sind die anderen nicht. Er ist der, der uns hier rausholt aus der Dunkelheit.

Mitten in der dunklen Jahreszeit beginnt das Kirchenjahr mit dem 1. Advent. Dieses Jahr beschleicht uns die Dunkelheit ganz besonders, wir sind müder als sonst, vermissen die Lichter unserer Adventsmärkte, sehnen uns nach geselliger Runde im Kerzenlicht und haben es doch im Vergleich zu den Menschen in anderen Ländern wirklich gut. Wir haben ja auch keinen König, der die Staatskasse ins Ausland geschafft hat. Wir helfen uns gegenseitig mit unseren Steuergeldern, lassen niemanden finanziell zu Grunde gehen und sind solidarisch. Das haben wir gelernt von unserem König, der arm ist und ein gerechter Helfer.  Er ist unser Vorbild, auch wenn uns das nicht mehr so bewusst ist. Jesus auf dem Esel, daran werden wir am Palmsonntag wieder denken. Durch die Adventszeit hindurch können wir ihm entgegenlaufen, seinen Esel streicheln, an seiner Seite gehen und von seiner Bescheidenheit lernen. Advent. Komme zu dir selbst, denn dein König kommt zu dir. Welch eine Freude, dass er unser König ist und kein anderer.

Da gehen uns die Worte neu auf, wenn wir singen: „Macht hoch die Tür, die Tor macht weit; es kommt der Herr der Herrlichkeit.“ Da heißt es in der zweiten Strophe: „Er ist gerecht, ein Helfer wert; Sanftmütigkeit ist sein Gefährt, sein Königskron ist Heiligkeit, sein Zepter ist Barmherzigkeit; all unsre Not zum End er bringt, derhalben jauchzt, mit Freuden singt!“ Bestimmt entdecken Sie in den anderen Versen noch weitere schöne Bilder von dem Herzenskönig! Die Adventshymne ist die Nummer 1 im Gesangbuch.

Viel Freude beim Singen daheim und der feierlichen Begrüßung unseres wahren Königs.

Ihre Pfarrerin Anke Doleschal


Sonntag, 22.11.2020 - letzter Sonntag des Kirchenjahres Totensonntag

Wochenspruch

„Lasst eure Lenden umgürtet sein und eure Lichter brennen.“ Lk. 12,35

 

Nur noch beim Metzger und beim Orthopäden verwenden wir dieses Wort: „Lenden“. Beim Metzger ist es etwas Gutes zum Braten und zum anderen gehen wir, weil die Lendenwirbelsäule wieder Schmerzen bereitet. Umgürtete Lenden kennen wir gar nicht mehr. Sie sind einfach aus der Mode gekommen. Niemand trägt hier so etwas. Zu Jesu Zeiten trugen auch Männer weite Gewänder. Das war luftig und unkompliziert. Wenn man aber etwas schaffen wollte oder zum Tanz ging, war der wallende Stoff im Wege. Dazu brauchte man einen breiten Gürtel, der sehr hübsch sein konnte, um die Stoffmasse zügelnd über den Gürtel zu schlagen. So gekleidet war man startklar.

Es wird schnell dunkel im Orient. Wenn die Sonne untergeht, ist es wirklich zappenduster. Die Sonne sinkt zügig. Wehe dem, der kein Öllämpchen griffbereit hatte. Zu Jesu Zeiten gab es keine Lichtverschmutzung durch flackernde Werbung und romantisch ausgeleuchtete Nachbarbalkone.

Im Alltag hat man dann sein Lichtchen angezündet, den Gürtel abgelegt, sich auf der Matte ausgestreckt, noch etwas gegessen, am Feuerchen die Geschichten des Tages ausgetauscht und dann früh geschlafen. Sonst gab es nichts. Wenn aber eine Hochzeit anstand oder der Herr von einer Reise zurückkehrte, sah das anders aus: Nichts wird daraus sich auf den Kissen zu entfalten.

Umgürte deine Lenden, halte dein Licht bereit! Der Bräutigam kann jederzeit mit seinem Festzug vorbeikommen und dann willst du doch mitziehen mit den Fröhlichen und Tanzenden!

Und wenn dein Herr von einer Reise kommt, sei bereit. Lass das Haus nicht im Dunkeln! Er erwartet, dass du startklar bist.

So wie unser Diebold von der Geroldseck! Da kam er ungewaschen und müffelnd mit seiner Marktrechturkunde aus Wien zurück und die Seelbacher standen nicht Spalier! Was hat er getobt. Gefeiert wollte er werden! Den armen Vogt knüpft er sich vor. Der hatte auch seine Lenden nicht umgürtet und die Seelbacher hatten ihre Lichter nicht am Brennen.

Wir haben das Geschrei im Ohr. Dieses Jahr wird es etwas ruhiger. Es tut weh unser Fest ausfallen zu lassen, aber unser Entschluss ist die höchste Form der Gastfreundschaft. Wir verzichten auf ein Fest aus Rücksicht auf Gesundheit der Gäste.

Es fällt uns schwer dieses Jahr nicht unsere Lenden zu umgürten und aufzuspringen auf den Festzug, der sonst an unseren Häusern vorbeizieht. Wir werden trotzdem unsere Lichter leuchten lassen und uns liebevoll wie immer vorbereiten auf das nächste Jahr.

Jesus wettert nicht wie Diebold. Es wäre sehr schade für die, die den Festzug mit Jesus verschlafen, deren Lämpchen ausgegangen ist und die ihren Gürtel zwischen den Kissen nicht finden. Peinlich, wenn sie dann so halb angezogen vor dem Haus stehen und mit großen Augen den Fröhlichen nachblicken. „Seid bereit“, fordert Jesus auf.

An Totensonntag wird uns dieser fröhliche Hochzeitszug vor Augen gestellt – zum Katharinenmarkt hätte das Bild doch eher gepasst. Doch es ist ein Bild für das Sterben. Sei bereit! Wenn Jesus kommt, dann willst du doch vorbereitet mit ihm gehen. Die, die wir begraben haben in diesem Jahr, haben sich diesem Festzug angeschlossen. Die singen schon und ziehen ihm tanzend hinterher. Ihre Lichter leuchten und sie tragen stolz ihre schönen Gürtel.

Welch ein Trostbild an dem letzten Sonntag im Kirchenjahr, dem Totensonntag. Wer an diesem Wochenende auf den Friedhof geht, der möge innerlich diesem Festzug zuwinken und sich vorstellen, wie unsere Verstorben glücklich Jesus folgen.

Der Katharinenmarkt ist ausgefallen. Wir träumen vom nächsten Jahr.  Dem Festzug Jesu gehört alle Zeit der Ewigkeit. Den Zeitpunkt aber kennt nur er. Halten wir uns startklar mit aufgeräumtem Herzen und hellem Geist.

Auch wenn wir an diesem Wochenende uns nicht bei Kaffee und Kuchen, Glühwein und Bratwurst sehen, so sind wir doch verbunden mit festlichen Bildern, die Jesus uns schenkt!

Ihre Pfarrerin Anke Doleschal


Sonntag, 15.11.2020 - Vorletzter Sonntag des Kirchenjahres

Wochenspruch

 „Wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi.“  2. Kor. 5, 10a

 

Grundschule, vierte Klasse. Eine Debatte entflammt. Voller Engagement beteuert ein Junge: „Alle Menschen kommen doch in den Himmel.“ Er kann kaum ausreden, da fällt ihm ein Mädchen ins Wort: „Nein, die Bösen kommen in die Hölle, nur die Guten dürfen in den Himmel.“

Da stehe ich nun und beobachte, wie sich hier zwei Positionen in Rage reden. „Eine Hölle gibt es doch nicht“, wendet sich nun ein Schüler hilfesuchend an mich. „Aber was ist mit den ganz Bösen, die Schlimmes getan haben?“ entgegnet ein anderer. Inzwischen vergessen alle Beteiligten die Hand vor dem Reden zu heben. Wir sind mittendrin. Es geht jetzt nicht mehr um unser bisschen Leben, es geht um Gut und Böse, es geht um Lohn und Strafe, es geht um Gerechtigkeit und wie Gott dazu steht.

Während so mancher Erwachsener in seiner Lebensführung sich diese Fragen nicht mehr zu stellen scheint, geht es den Kindern um den richtigen Weg und vor Gott zu bestehen.

Sie mobilisieren nun Martin Luther mit seiner Erkenntnis, dass Gott ein liebender Gott ist und ich staune über das Gedächtnis der Kinder.

Aber was ist mit denen, die all das Elend verursacht haben, das uns am Volkstrauertag vor Augen steht?  Was ist mit denen, die gedankenlos Menschen in den Tod geschickt haben, die gequält und gefoltert haben? Die Kinder mahnen hier Gerechtigkeit an.

Wäre Paulus in den Unterricht gekommen, hätte er den Kindern erzählt, dass in jeder griechischen - römischen Stadt ein Richterstuhl stand. Die Podeste können heute noch in den antiken Ruinen besucht werden. Auch in Korinth ist das Mauerwerk davon noch vorhanden. Die Tribüne diente aber auch bei Wettkämpfen dem Preisrichter. Hast du den Lorbeerkranz verdient? Dann erscheine vor dem Richterstuhl, damit der Richter ihn dir aufsetzt.

Warst du ein Loser, ein Fauler, einer der keinen Ernst in die Sache legt, dann gehst du leer aus. „Wir müssen offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi, damit jeder seinen Lohn empfange für das, was er getan hat bei Lebzeiten, es sei gut oder böse.“

Das Leben ist mit diesem Leben nicht vorbei. Was wir getan haben ist nicht ausgelöscht.  Wir müssen uns den Film unseres Lebens ansehen, wenn wir sterben, wissen die Sterbeforscher. Wir müssen durch alles noch einmal durch, auch durch das, was wir an Dunklem angerichtet haben.

„Man muss bereuen hat Luther gesagt“, bricht es aus einer Schülerin heraus. „Nicht nur mit den Lippen, sondern mit dem Herzen. Nur wer echt bereut, dem wird vergeben.“ Die Wogen glätten sich. Es wird überlegt, wie stark die Reue bei manchen Tätern sein muss und ob sie ausreichen wird.

Das ist ihre Sache und Gottes Sache. Kümmern wir uns um unsere eigene Reue und unsere eigenen Taten.

Wir beschließen uns in Gottes Aufgabe nicht einzumischen, wohl aber unser eigenes Herz genauer unter die Lupe zu nehmen. Der Wunsch auf der Seite des Guten zu sein kristallisiert sich nun als Ziel der Schüler heraus.

Keine Lügen verbreiten, nicht gemein sein, Rücksicht nehmen…

Der Volkstrauertag fällt auf den vorletzten Sonntag im Kirchenjahr.

Dieses Jahr haben wir Militärtransporter gesehen, die Tote in Lagerhallen brachten, waren über Meere von Gräbern entsetzt, als wären es Kriegsgräber. Angesichts dessen mussten wir noch diskutieren ob und welche Schutzmaßnahmen sinnvoll sind, um Leben zu retten.

Wir quälten uns durch Lügen und Fantasien, litten unter Profilneurotikern und Leugnern. Warum noch alles schwerer machen? Warum nicht zusammenstehen und miteinander tragen? Lieber einmal zu viel Rücksicht nehmen als einmal lieblos rücksichtslos sein.

Dieses Jahr ist der Volkstrauertag ein Coronatrauertag. 

Wie werden wir dastehen, wenn wir eines Tages auf diese Zeit zurückblicken? Wie werden wir über uns denken, wenn wir eines Tages alles hinter uns haben und mehr über Corona wissen? Werden wir dann wieder unsere Ellenbogen ausfahren? Alles haben und erleben wollen? Alles durchziehen und nachholen? Oder sollten wir eher unser Denken, unsere Fehler und Egoismen kritisch in den Blick nehmen?

Es wäre an der Zeit, dass so mancher Erwachsene sich von dem brennenden Eifer unserer Viertklässler für das Gute und die Gerechtigkeit begeistern lässt.

Ihnen einen gedankenreichen Volkstrauertag und vorletzten Sonntag im Kirchenjahr

Ihre Pfarrerin Anke Doleschal

 


Sonntag, 08.11.2020 - Drittletzter Sonntag des Kirchenjahres

Wochenspruch

„Selig sind, die Frieden stiften; denn sie werden Gottes Kinder heißen.“ Matthäus 5,9

 

Das Kirchenjahr liegt in den letzten Zügen. Noch drei Sonntage und wir starten mit dem 1. Advent neu durch. Doch den düsteren November gilt es noch zu durchleben mit den schweren Anlässen wie Volkstrauertag und Totensonntag. Dieses Jahr reißt uns auch kein Katharinenmarkt aus dem Sog des nachdenklich Werdens. Der Drittletzte legt den Finger auf viele Wunden: Frieden stiften! Freuen dürfen sich die, die sich für den Frieden aktiv einsetzen, glücklich sind sie! So könnten wir heute übersetzen.

Nun herrscht bald schon zehn Jahre Krieg in Syrien. Die Kinder, die damals in der Grundschule voller Entsetzen mit mir Kinderkleider für syrische Kinder gesammelt haben, sind längst konfirmiert. Warum nimmt das kein Ende? Weil diejenigen, die Friedensstifter sein sollten, ihre Aufgabe nicht erledigen. Da geht es um Vormachtstellung und Zugangswege zum Mittelmeer, um Protektorate und politische Nutznießereien.

Als wir 2015 in Etschmiatsin, in Armenien eine Tauffeier miterlebten, fiel mir eine junge Frau auf, die ihr Bein verloren hatte. In Bergkarabach hat sie ihr Bein gelassen! Nun wurde das armselige Stückchen Erde erneut geschunden. Die armseligen Hütten werden beschossen. Russland und Israel haben beiden Seiten Waffen geliefert. So macht man gute Geschäfte. Sind die Waffen verbraucht, muss Neues gekauft werden. Munter befeuert die Türkei den Hass, denn sie wissen in welche klaffende Wunde der Armenier sie da dreinschlagen.

Warum soll man den Krieg vermeiden, wenn dabei die Kassen klingeln? Wenn man neue Grenzen ziehen kann? Die einbeinige Frau in Etschmiadsin und die Witwen in den zerschossenen Hütten interessieren da nicht.

Es interessiert auch nicht jeden, dass weißgekleidete Frauen in Minsk in Gefangenentransporter gepfercht werden. Statt sie zu unterstützen und zu retten, legte Zypern einfach ein Veto ein. Sie fühlten sich in ihrem Nachbarschaftsstreit nicht richtig behandelt. Sollen die Frauen in den Gefängnissen doch leiden.

Bis 1940 konnte man in den USA noch eine Pistole mit absurdem Namen erwerben. Ein echtes Cowboystück: Peacemaker heißt der Knaller. Erschieß deinen Feind – dann hast du Frieden. Heute ist die Kopie für 8,99 Euro als Partyartikel erhältlich.

Mich schaudert es, wenn ich Kinder mit Plastikgewehren spielen sehe. Mich erschreckt es, wenn sie auf mich zielen. Was geben wir ihnen da mit auf den Weg? Sie werden nicht zu denen, die glücklich sind, die sich freuen dürfen, weil sie gelernt haben sich aktiv für den Frieden einzusetzen. Jesus meint mit Friedenstifter keine passiven Kopfnicker, die um des lieben Friedens willen zu allem Ja und Amen sagen.

Er meint Väter, die ihren Kindern erklären, warum sie keine Pistole aus Plastik für sie kaufen. Er meint große Brüder, die davor warnen im Spaß oder im Spiel andere abzuknallen. Er meint Eltern, die dagegen angehen, dass unsere Kinder emotional verrohen und abstumpfen.

Er meint Lehrer, die aufmerksam Dinge ansprechen, auch wenn es Eltern nicht wahrhaben wollen. Jesus meint die, die mutig aufstehen und aussprechen, was nicht stimmt. Er meint solche, die nicht mitmachen, wenn einer wie die Sau durchs Dorf gejagt wird.

Schalom, der Friede den Jesus meint, ist nicht allein die Abwesenheit von Krieg, sondern das verantwortungsbewusste Mitdenken, das Handeln zum Wohl aller, der Wunsch nach Gesundheit und Heilsein, nach Segen und Zufriedenheit.

Glücklich ist jeder, der sich mit Unfrieden nicht zufriedengibt. Freuen können wir uns, wenn wir klar und aufrichtig sprechen, freuen können wir uns, wenn wir Gedanken in Ordnung bringen und Brücken bauen. Freuen können wir uns, wenn der Pulsschlag in gesundem Rhythmus geht bei uns und unserm Gegenüber.

Einen friedlichen Ausklang des Kirchenjahres

wünscht Ihnen Ihre Pfarrerin Anke Doleschal

Sonntag, 01.11.2020 - 21. Sonntag nach Trinitatis

Wochenspruch:

„Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.“ Römer 12,21

 

Die Augen der Konfirmanden leuchten beim Anblick der mit bunten Bonbons gefüllten Holzschale. Sie steht im Eingangsbereich zum Gottesdienstraum. Sehnsüchtig greifen sie rein. „Da sind sie wieder, die Lutherbonbons!“  Sie erinnern sich beim Auswickeln an die Relistunden aus der Grundschulzeit. Da steht auf dem Papier: Am 31. 10. ist Reformationstag.   Luther statt Zombies. Reformation statt Halloween. Erkenntnis statt Gruseln. Freiheit statt Angst. Geistvolles statt Kommerzielles. Natürlich gibt es auf der Zombiepartie ordentlich Action. Es gibt Glibbriges zu essen, gruselig laute Musik, zu Monstern mutierte Freunde und jede Menge Beute nach dem Streifzug von Haustür zu Haustür.

Da ist so ein Martin Luther eher ein nüchterner Kamerad. Eigens seine spektakuläre Schein - Entführung auf die Wartburg birgt Action. Doch was hat er alles ausgehalten, wie viele Anfeindungen musste er ertragen? Hätte er das Gebiet seines Landesfürsten verlassen, wäre er ein toter Mann. Er war mit dem Bösen, der List und den Anfeindungen täglich konfrontiert. Wie konnte er da so fröhlich mit Herzenswärme unterrichten, schreiben und trösten?

Als er den Vers aus dem Römerbrief seinen Studenten näher bringt, erklärt er ihn so: „Sieh zu, dass der andere dich nicht damit, dass er dir wehe tut, zu einem Menschen macht, der ihm gleich ist, nämlich zu einem bösen  und dass seine Bosheit nicht deine Güte überwältigt.“

„Lass dich nicht vom Bösen überwinden“ diesen Vers mögen die Konfirmanden genauso gern wie die Lutherbonbons. Bei jeder Konfirmation wird er als Spruch gewählt. Sie kennen die Stimmung vom Pausenhof, Bushaltestellen, Jugendkellern. Da ist der, der schlecht über mich redet, der mir die Freunde ausspannt. Da ist der, der mich mobben will. So mancher geht in der Schule durch eine harte Schule. Schlage ich zurück? Dann bin ich auch ein Schläger. Geh ich weg? Dann ruft man mir ‚Feigling‘ nach. Aber dann habe ich gewonnen.

„Der Sieger ist, wer den anderen umwandelt…während er selbst unverändert bleibt“, schreibt Luther in seinem Kommentar zum Römerbrief.

„Mach du ihn vielmehr dadurch, dass du wohl an ihm handelst zu einem guten Menschen, der dir gleich ist. Deine Güte überwinde seine Bosheit und wandle ihn in dein Wesen um.“ Wem das gelingt hat die Spirale der Gewalt durchbrochen. Paulus schreibt diese Worte, die Luther auslegt an gefangene Christen, an christliche Sklaven, an Menschen, die Verfolgungen ausgesetzt sind. Was hat er in seinem Leben an Schlägen und Peitschenhieben erdulden müssen! Aber wo auch immer er in Bedrängnis war, ist er rausgekommen, weil er ruhig blieb und wie man heute sagt „deeskalierte“. Ein schickes neues Wort für eine alte Sache. Paulus und Luther haben es schon beherzigt und erprobt. Kein ‚Wie du mir so ich dir‘. Kein ‚Aug um Aug, Zahn um Zahn‘. Bleib du gut – das ist ansteckend. Nicht nur Corona. Auch das Gute. Versuche das Böse mit deinem Guten zu infizieren.

Herzlich grüßt Sie

Ihre Pfarrerin Anke Doleschal

Sonntag, 25.10.2020 - 20. Sonntag nach Trinitatis

Wochenspruch:

„Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der Herr von dir fordert: nichts als Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott.“ Micha 6,8

 

„Was soll ich denn noch tun? Ich dreh mich den ganzen Tag und alles nur, damit du zufrieden bist! Was willst du denn noch?“ Schwere Stimmung zwischen Zweien, bei denen die Kommunikationslampen auf Rot leuchten. „Was ist denn los? Was habe ich dir denn getan?“ Micha, der alttestamentliche Prophet ist Zeuge einer Beziehungskrise. Es kriselt stark in der Liebe zwischen Gott und den Menschen. Micha stellt bittere Entfremdung fest. Gott und Mensch haben sich auseinandergelebt. Vorbei ist das vertraute Hand in Hand gehen, vorbei ist das aneinander Denken und auf einander Rücksicht nehmen. Gott ist nicht mehr der Einzige und Größte im Leben. Anderes hat sich da vorgedrängt. Wichtiger geworden sind nun Profit, schicke Götterbilder aus dem Ausland, Ausbeutung der Mitmenschen und der Erde, Bestechung und Betrug, Protz und Geltungssucht.

Aus Micha sprudelt es heraus. Er kann diese Gemeinheiten gegenüber Gott, dem betrogenen Liebenden nicht mehr aushalten.

„Was habe ich euch getan?“ lässt Micha von Gott ausrichten. Er erinnert an die gute alte Zeit, als die Menschen in der Wüste ihm vertrauten. Es ist, als würde Micha mit den Menschen Hochzeitsbilder anschauen. Schau, damals, wie schön es war, als wir einander vertrauten und einander wertgeschätzt haben.

Aber die Menschen reagieren schnippisch auf Michas Erinnerung aus der ersten Zeit der Liebe: „Was sollen wir denn noch alles machen?“ Sie schlagen die kostspieligsten und überzogensten Opfer vor, damit Gott den Mund hält.

Da haut Micha verbal mit der Faust auf den Tisch: Was sollen die ganzen Äußerlichkeiten, euer frommes Getue und scheinheiliges Geschwätz! Es ist erlogen, wenn das Herz kalt ist. Was du tun sollst?

Denk doch mal nach! „Es ist dir gesagt, Mensch!“ Damals in der Wüste Sinai, als das Leben zwischen den Menschen geregelt wurde, gab es die Gebote, die uns schützen und frei machen.

„Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der Herr von dir fordert, nämlich Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott.“

Mehr ist es nicht. Gott will keine Opfer, keine Scheinheiligkeit, keine Goldklumpen und keine fetten Kälber auf dem Altar.

Er will Liebe zwischen den Menschen. Er will, dass man seine Gebote respektiert.

„Ob es Gott überhaupt gibt?“ fragt einer in einer satten Kaffeerunde. Das zweite Stück Kuchen ist nun gegessen und erneut wird Kaffee nachgeschenkt. Die ersten lehnen sich gemütlich zurück und lockern den straffen Hosenbund. „Bei alledem was es auf der Welt gibt! Der müsste doch mal dreinschlagen! Aber Gott macht das nicht, weil es ihn wohl gar nicht gibt.“ Noch ein Käffchen? Fair gehandelt ist der Kaffee nicht. Für die Sahne auf dem Kuchen hat man die günstigste genommen. Egal, was die Bauern verdienen. Man entspannt genüsslich und beginnt nun Gott die Existenz abzusprechen, weil er seine Arbeit auf der Erde nicht richtig macht.

„Mensch! Es ist DIR gesagt, was gut und was der Herr von DIR fordert, nämlich Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott.“ Mensch, DU hast deine Aufgaben nicht gemacht. Er hat dir die Erde anvertraut und dir Mitmenschen an die Seite gestellt, er hat dich gut ausgestattet mit allem. Er hat dich verwöhnt wie ein Liebender. Und du? Lehnst dich in den Sessel zurück. Fragst erst nach ihm, wenn es klemmt.

Micha blättert mit uns durchs Hochzeitsalbum. Erinnere dich. Du bist getauft, du bist geliebt, er ist an deiner Seite. Erwiderst du seine Liebe? Er will nicht viel, nur Gutes, Liebe und Respekt.

Micha erinnert uns an unsere Partnerschaft mit Gott und will uns davor bewahren, dass wir uns entfremden von dem, der uns liebt.

Mit herzlichen Grüßen

Ihre Pfarrerin Anke Doleschal


Sonntag, 18.10.2020  - 19. Sonntag nach Trinitatis

Wochenspruch

„Heile du mich, Herr, so werde ich heil; hilf mir, so ist mir geholfen.“   Jeremia 17,14

 

Zu Beginn der Erkältungszeit tauschen wir Ratschläge aus, um gut durch den Coronaherbst zu kommen. Egal wo es hingeht heißt es: Warm anziehen! Am besten mit Wolldecke ausgerüstet die Kirche besuchen. Lüften, wo immer es geht. Nicht meckern, wenn es zieht. Die Aerosole sollen ja abziehen. Schal und Mütze sind schick im Klassenzimmer und bei Sitzungen. Ganz praktisch ist dabei der Mundschutz – er wärmt jetzt zusätzlich.

 Als wüsste der Wochenspruch um unsere Sorgen! „Heile du mich!“ Im Augenblick wissen wir gar nicht, wo uns der Kopf steht vor lauter Unheil in der Welt. Am schlimmsten sind Politiker, die mit der Gesundheit ihrer Bürger achtlos umgehen und den Schmerz um die Toten übergehen.

Es ist ein Stoßgebet, das Jeremia hier ausspricht. Ein Seufzer, wenn die Worte fehlen. Jeremia hat so viel Spott ertragen müssen. Er hat die Menschen gewarnt vor dem Unheil und weil es nicht gleich eingetreten ist, wurde er als Schwarzmaler ausgelacht. Spott erfährt er angesichts der drohenden Gefahr. Das geht Jeremia durch und durch und es erschüttert auch uns, wenn Menschen achtlos werden und ihre Rücksichtslosigkeit demonstrativ zur Schau stellen. Das ist wie ein Schlag ins Gesicht. Jeremia schreit da auf: „Heile du mich, Herr!“

Jeremia ermutigt uns zuzugeben: Ja, ich brauche Hilfe. Ich muss nicht sagen: „I’m great! Es geht mir großartig.“

Es geht uns nicht großartig, wenn wir uns umsehen in der Welt. Die Ziele unsere Sehnsuchtsreisen machen uns Sorgen. In Jordanien wird den Bürgern geraten das Krankenhaus nicht aufzusuchen. Da kann den Patienten nicht mehr geholfen werden. In Armenien ist Krieg. Die Wirte unserer Lieblingsrestaurants in Spanien sind am Ende.  Wie sehnen wir uns überall nach Heilung!

Jeremia bleibt nur noch dieses eine Ventil: „Heile du, Herr!“ Gerade können wir die vielen Knoten nicht selber lösen.  Wenn wir die Fenster öffnen, um anderen frische Luft zukommen zu lassen, dann ist das wichtig. Wenn wir den Mundschutz aufsetzen, wenn wir schlotternd, aber tapfer die Decke über die Schulter schlagen, dann sind das erforderliche Maßnahmen. Aber es bleiben die Sorge, die Ungewissheit, die Einsamkeit. Jeremia weiß, dass wir mehr brauchen. Er wendet sich an den Arzt seiner Seele.  „Heile du, Herr. Hilf, dann ist uns geholfen.“  Jeremia hat dadurch eine unbeschreibliche Kraft bekommen. Er hat durchgehalten und seinen Widersachern die Stirn geboten. Jeremias Arzt für die wunde Seele können wir auch konsultieren. Er reagiert auch auf wenige Worte.

Heilsame Gedanken und Augenblicke wünsche ich Ihnen

Ihre Pfarrerin Anke Doleschal


Sonntag, 11.10.2020  - 18.Sonntag nach Trinitatis

Wochenspruch

„Dies Gebot haben wir von ihm, dass wer Gott liebt, dass der auch seinen Bruder liebe.“  1. Joh. 4,21

 

„Ach, Finanzberater sind Sie!“ Er nickt nachdenklich. „Wissen Sie, dass wir Hand in Hand arbeiten?“ fragt er. Ich schaue ihn verwundert an. Wie will er die Brücke zum Pfarrberuf schlagen? Da bin ich gespannt. „Wenn Sie mit Ihrer Arbeit auf dem Friedhof fertig sind, geht’s bei mir so richtig los.“ Ich schlucke: „Die Trauer ist dann doch gar nicht rum!“ „Wenn Sie wüssten, wie Menschen sich in die Haare kriegen können. Da ist der Tote noch gar nicht richtig unter der Erde.“

Eben wurde noch gebetet.  Eben hat man noch Anteil genommen. Jetzt will man seinen Anteil.

Eben stand man noch nebeneinander, jetzt geht es gegeneinander.

Eben ging es noch um die Liebe zum Verstorbenen, um die Liebe Gottes, die ihn empfängt, um die Liebe, die uns tröstet. Dem Autor des Johannesbriefes sind diese Beobachtungen nicht fremd. Seine Leser kennen das oberste Gebot: „Du sollst Gott lieben und deinen Nächsten wie dich selbst.“ Johannes kann seine Gemeinde im Schlaf wecken und sie können es aufsagen. Aber zwischen aufsagen und verinnerlicht haben gibt es einen Unterschied.  Zwischen davon wissen und danach leben liegen Welten. Liebe ist ja immer in Ordnung. Doch den lieben, den ich gerade nicht so liebenswert finde? Den Bruder, der immer alles besser weiß? Der mehr Erfolg zu haben scheint? Die Schwester, die immer die ruhige Kugel schiebt und alles auf die anderen abwälzt?

Die Farbigen, die in Amerika für Gleichbehandlung auf die Straße gehen, ja, die haben die Nächstenliebe voll verdient! Wir unterstützen sie absolut.

Die Schlechtbezahlten in unserem Land, die Überstunden machen, sie haben es verdient mehr zu bekommen. Ich könnte ja auch mal ihre Hilfe benötigen, da ist es schon wichtig, dass sie gut behandelt werden.

Aber der Bruder, der sich vor aller Verantwortung drückt, der nur dann kommt, wenn es Sahnetorte gibt, der mit seinen vielen Macken, den soll man lieben?

Je näher wir einander stehen, desto schwieriger wird es mit der Liebe. Vom Sofa aus wäre Nächstenliebe ab 20 Uhr schon eine Hilfe um weltweit Probleme zu lösen. Würden die anderen das mal umsetzen mit der Nächstenliebe!

Doch das nächste Familientreffen zu überleben ist ein Grund für eine Nominierung für den Friedensnobelpreis.

Schwadroniere nicht weltweit herum, fang bei dir an, bei dem härtesten Fall, deinem Bruder, ermutigt uns der Autor des Johannesbriefes. Er ist wie du. Ein Mensch mit Fehlern. Du findest Nächstenliebe wichtig, denn du könntest ja auch mal die Liebe der anderen brauchen? Sie ist eine sinnvolle Errungenschaft des christlichen Abendlandes? Sie macht unsere Gesellschaft menschlich und sozialer? Gut. Dann beginne mit dem neben dir.  Versuche es. Gott wird dir beistehen. Seine Liebe ist stark und wird dir Kraft geben auch deine Fehler zu erkennen und die deines Bruders in einem anderen Licht zu sehen. Das ist das beste Mittel gegen Magenschmerzen, Nackenstarre, Herzprobleme und hohen Blutdruck. Johannes spricht in seinem Brief immer wieder von der Liebe. Brautpaare schätzen seine Zeilen sehr: „Gott ist die Liebe und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.“ So viele Verse können wir im Johannesbrief finden, die uns zu Herzen gehen.

Dieser Vers aber fordert uns. Er hilft uns über unseren Schatten zu springen und zu leben, was wir glauben.

Mit herzlichen Grüßen

Ihre Pfarrerin Anke Doleschal


Sonntag, 27.09.2020    - 16. Sonntag nach Trinitatis

Wochenspruch

„Jesus Christus hat dem Tode die Macht genommen und das Leben und ein unvergängliches Wesen ans Licht gebracht durch das Evangelium.“ 2.Tim 1,10b

 

„Wissen ist Macht“ war das Motto einer meiner alten Lehrer. Doch das Wort „Macht“ erschien wenig attraktiv. „Nichts wissen macht auch nichts“ stand als Antwort auf der Schülertoilette. Schauen wir uns um: Macht scheint enorm an Attraktivität gewonnen zu haben! Mancher hat so sehr Gefallen an der Macht gefunden, dass er sie gar nicht abgeben mag. Am liebsten würde Lukaschenko aus Belarus schon seinen Sohn inthronisieren! Undenkbar für Trump, dass er im Herbst seine Macht abgeben könnte. Bitteschön noch schnell einen Impfstoff vor den Wahlen. Dann ist die Macht gesichert.

Solche Machthaber machen Angst. Wir finden sie auch unter Vorgesetzten und Mitarbeitern, deren geistige Ellenbogen immer wieder schmerzlich den Feierabend verderben können.

Als der fieseste Machthaber erscheint Vielen der Tod. Er kommt einfach und nimmt weg – die Liebsten, die Zukunft, die Träume und am Ende schnappt er uns.

Schon der Philosoph Epikur hat versucht dem Killer der Lebensfreude die Stirn zu bieten. Genüsslich lehrte er in seinem Garten und schrieb in einem seiner Briefe: „Das schauerlichste Übel also, der Tod, geht uns nichts an, denn solange wir existieren, ist der Tod nicht da und wenn der Tod da ist, existieren wir nicht.“

Klingt griffig und ganz humorvoll. Es ist eine alte Methode auszulachen, was uns Angst macht.  Doch die Dichterin Mascha Kaleko würde antworten: „Vor dem eigenen Tod ist mir nicht bang, doch vor dem Tode derer, die mir nah sind…“ Diese Sorge hat Epikur nicht im Blick.

Da scheint draußen noch die schöne Septembersonne und wir würden der sanften Herbstwärme so gerne länger die Macht übertragen.

Was hat Macht über uns? Was macht uns Angst?

Paulus sitzt im Gefängnis, wir vermuten in Rom. Keiner hat ihm beim letzten Verhör beigestanden. Er hat keine Angst. Niemand hat Macht über ihn, auch wenn keine Sonnenstrahlen ihn erreichen. Stattdessen schreibt er: „Christus hat dem Tod die Macht genommen und ein unvergängliches Wesen ans Licht gebracht durch das Evangelium.“

Wer Macht über mich hat, bestimme ich, so klingen diese Worte. Ich bin nicht in römischer Hand, sondern in der Hand dessen, der dem Tod die Macht genommen hat. 

Das ist die Kraft des Widerstandes. Wer so denkt, durchschaut die Mauern und blickt souverän über die düstere Situation hinaus. Paulus weiß, dass ihm die Todesstrafe droht. Für die Römer wird er der Verlierer sein. Das stört ihn nicht; denn er steht auf der Seite des Siegers, des Siegers über den Tod. Das bringt Licht in die Gefängniszelle.

Was auch immer dir Angst macht, wer auch immer meint Macht über dich zu haben, neben dir steht der Sieger. Sein Licht beleuchtet die Schatten der dunkeln Mächte, sein Licht deckt auf, was im Argen liegt, wer von ihm weiß hat Macht über alle Ängste.

„Wissen ist Macht“ – von dem Sieger zu wissen, macht frei von Mächtigen und Ängsten. 

Mit herzlichen Grüßen

Ihre Pfarrerin Anke Doleschal


Sonntag, 20.09.2020    - 15. Sonntag nach Trinitatis

Wochenspruch

„Alle eure Sorge werft auf ihn, denn er sorgt für euch.“ 1. Petrus 5, 7

 

Da hört man die Kirchturmuhr schon wieder schlagen und hat noch kein Auge zugetan. Die Sorgen sägen an den Nerven. Morgen wird bestimmt alles schief laufen…

Sorgen sind eine echte Last. Die Schultern spüren das, der Nacken verspannt sich, der Magen- Darmtrakt äußert sich auch dazu.

Der ganze Körper leidet mit, wenn die Seele schwer an Sorgen trägt.

Da klingt es wie ein Befehl: Werft auf ihn all eure Sorge!

Wenn wir so verspult sind in unserem Sorgengeflecht, dann hilft nur ein Machtwort: „Wach auf, du Sorgenversponnener. Hör mal zu. Abwerfen sollst du das jetzt. Raus aus dem Kreisen um die ollen Sorgen.“ Das ist nicht so leicht. Die Sorgen haben sich gut festgesetzt. Man schleppt sie überall hin mit.

Luther kennt das. Er war da sehr sensibel und wusste wie Sorgen, die durch Mark und Bein gehen uns zusetzen. Hatte er doch selbst Sorgen um das Leben, den Frieden und die reine Lehre.

Er schlägt vor zu beten. Das Gebet ist eine Abladefläche für die Sorgen und zwar ganz anschaulich. Beten heißt: Gott den Sack mit deinen Sorgen vor die Füße werfen, sagt Luther. Gott hält das aus. Keine Sorge. Pack sie alle zusammen und wirf sie ihm hin. Schütt dich aus. „Reib ihm die Ohren, bis sie heiß sind“, ist Luthers Rat. Wir sind viel zu schüchtern und zu distanziert. Da ist es mal an der Zeit, dass uns ein deftiger Gedanke Luthers aufrüttelt.

Die Gemeinde, an die sich diese befehlsartigen Worte richten, ringt mit dem Ärgsten. Die Gemeindeglieder werden verfolgt und jederzeit kann ein römischer Soldat die Gemeinde aufspüren und ihre Mitglieder verhaften.

Eine Stimmung ist das wie unter den Demonstranten in Belarus. Da geht es jetzt um alles, um die Freiheit, um Gerechtigkeit, um die Zukunft. Das sind heftige Sorgen. Wenn ich demonstrieren gehe, kann es sein, dass ich nicht mehr nach Hause zurückkomme.

Wir staunen über die Kraft und den aufgerichteten Rücken dieser Menschen. Wir hätten auch gern solch einen starken Rücken, der weder verkrampft ist noch sich beugt unter der Sorgenlast.

Neben dir steht doch einer, dein Gott. Der nimmt dir deinen Sack ab. Lass ihn los. Er geht mit dir durch das Sorgental. Er sieht mehr als du in deiner Dunkelheit.  Er sieht schon das Licht.

Ihnen eine sorgenfreie Woche und einen sorglosen Schlaf!

Ihre Pfarrerin Anke Doleschal


Sonntag, 13.09.2020  - 14. Sonntag nach Trinitatis

Wochenspruch

„Lobe den Herrn, meine Seele und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.“ (Psalm 103, 2)

„Net gebruddelt isch gnug globt!“ Das ältere Ehepaar sitzt vor mir. Sie lächelt etwas bitter. Er erhebt sich nach seinen markanten Worten, geht ein paar Schritte ins Nebenzimmer, weil er ja Wichtigeres zu tun hat als mit Ehefrau und Pfarrerin zu sprechen. Damit lebt sie eben. Ja, es könnte schöner sein. Aber man ist halt schon so lange zusammen und hat sich dran gewöhnt.

In der Tat - die guten Worten fehlen. Gerade nach dem Essen. Aber sie hat gelernt sein Schweigen zu verstehen. Wenn er nix sagt, dann ist alles in Ordnung. So kann man sich auch arrangieren, allerdings etwas freudlos. Nun, wir leben nicht ewig und Lebenszeit ist kostbar. Das gilt auch für unsere Beziehungen. Später steht er dann alleine am Grab und bereut, was er versäumt hat, was er an Gutem nicht gesagt hat. „Isch gnug globt?“ Eben nicht.

Mit Gott sollte er nicht so umgehen wie mit seiner Ehefrau, daran erinnert der Psalmbeter. „Meine Seele“, das ist kein hochtrabend emotionaler Aufruf. Im Hebräischen heißt das nichts anderes als „Ich“. Lobe den Herrn, ja, ich bin gemeint. Vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.“

Gerade jetzt neigen wir „Corona deprimiert“ zu vergessen. Neuerdings sind auch die Kanarischen Inseln tabu. Aus dem Kroatienurlaub wird nichts, der Bodensee ist überfüllt die Ostsee auch. Bars, Diskotheken, Nachtclubs - geschlossen. Die Menschheit scheint ein vehementes Problem zu haben: Mit Mundschutz macht das Leben einfach keinen Spaß. Ja, denn Spaß soll alles machen! Dafür sind wir auf der Welt! Das Leben ist die Megaparty. Loben? Wen? Gott? Wofür?

Wenn es nicht so läuft, wie geplant, dann scheint das „Bruddeln“ ein gern gewählter Weg zum Abreagieren zu sein. Das Gebruddel brodelt vor sich hin, lässt dabei den „Bruddler“ mürrisch wirken, unelegant in der Wortwahl und verleiht ihm ein schlecht gelauntes Antlitz. Wer bruddelt wird nicht schöner davon und wirkt auch wenig attraktiv.

Stellen Sie sich den Menschen vor, der gerade daran denkt, was Gott ihm Gutes getan hat. Was für eine Ausstrahlung ein solcher Mensch hat! Von dem geht ein Strahlen aus, eine Lebensfreude, Dankbarkeit. Mit so jemanden unternimmt man gerne eine Wanderung, den lädt man zum Grillen ein, das ist ein guter Kumpel. Der zieht uns mit hoch, der wirkt wie ein Heilmittel für eine betrübte Seele.

Wir können das auch! Loben! Drei Sätze für Gott! Dafür bin ich dankbar! Das habe ich an Gutem erfahren! Probieren Sie es aus. Das reguliert den Blutdruck, nimmt Angst, lässt uns gut durchschlafen, verwandelt Sorge in Vertrauen und Trägheit in Dankbarkeit. So starten wir voller Elan in den Tag.

Das strahlen wir aus, wenn wir uns beim Bäcker für die knusprige Rinde seiner Brotspezialität bedanken. Wenn wir in der Gärtnerei erzählen, wie lange die Blumen im Wohnzimmer gehalten haben. Wenn wir dem Nachbarn die selbst produzierten Brombeeren herüberreichen und die frische Luft am Morgen einatmen.

Das Gute dankbar erkennen macht sympathisch. Da merkt man gleich: Dieser Mensch liebt das Leben, was auch immer es bringt, denn er sieht das Gute, das Gott ihm schenkt.

Offene Augen für all das Lobenswerte in Ihrem Leben wünsche ich Ihnen!

Mit herzlichen Grüßen

Ihre Pfarrerin Anke Doleschal


Sonntag, 06.09.2020 - 13. Sonntag nach Trinitatis

Wochenspruch

 „Christus spricht: Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.“   Mt. 25, 40b

 

Es wird noch auswendig gelernt im Evang. Religionsunterricht in der Grundschule in Seelbach. Gerade diese Worte Jesu laufen wie am Schnürchen: „Jesus spricht: Ich bin hungrig gewesen und du hast mir zu essen gegeben.“ Klar - darauf folgt durstig mit dem dargebotenen Getränk. „Ich bin ein Fremder gewesen“. Das wird schon spezieller, denn der Fremde wird aufgenommen. „Ich bin nackt gewesen“ das merken sich die Kinder ganz verschmitzt. Dass da Kleider gegeben werden müssen, ist für sie logisch. Krank und im Gefängnis sein und dort Besuch zu bekommen, wirkt auch wieder schlüssig.

Merken können sich die Kinder das gut. Doch was bedeutet das?

Manche Kinder durchstreifen daraufhin ihr Kinderzimmer. Gibt es etwas, das ich abgeben kann? Sie hören, dass ich Koffer für Kinder in Jordanien packe. So bringen sie Tüten mit zu klein gewordener Kleidung in die Schule mit.

Das ist rührend. Doch an einem Satz gerät das eingängige Wortspiel beim Auswendiglernen ins Stocken. Bei der Zusammenfassung: „Was ihr getan habt den geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.“ Die neue syrische Klassenkameradin, die fremd ist,  der Junge aus der letzten Reihe, dessen Mutter vergessen hat ihm ein Pausenbrot zu schmieren, die Kinder in Jordanien, für die die Relilehrerin sammelt, die Freundin mit der blutigen Nase, die sich heute nicht in die Schule traut wegen ihrer Beule…da soll noch mehr dahinter stecken?

Jesus, der König hat gesprochen. Er ist inkognito unterwegs. Wie bei Tolstois „Schuster Martin“, begegnet er uns im verfrorenen Straßenkehrer Stefan, in der Mutter mit dem dürftig dünnen Kleidchen, in dem mundraubenden Jungen vom Markt. „Ich habe dich besucht, ich war da.“ Unser Leben liegt vor ihm, unser Verhalten ist vor ihm ausgebreitet. Er steht vor der Tür des Schusters und trägt viele Namen. Er klopft auch an der Tür unseres Herzens an. 

 Dieses Jahr zum Oktoberfest wird wohl nicht so vollmundig volltrunken geschunkelt werden zu dem Schlager: „Wir kommen alle, alle, alle in den Himmel, weil wir so brav sind.“ Das wäre der vollkommene Aerosol - Ausstoß. Bleiben wir lieber brav und verkneifen uns schunkelnd darauf zu beharren, dass uns der Himmel sowieso offensteht.

Fragen wir uns lieber: Wo habe ich dafür gesorgt, dass der Himmel vor meiner Haustüre beginnt? In wem ist mir Jesus begegnet? Habe ich ihn gut genug behandelt? Damals, als mich meine Nachbarin um Rat fragte, damals, als meine Initiative gefragt war? Habe ich mich so verhalten, als hätte Jesus selbst an meine Tür geklopft? 

Die Kinder der Reliklasse haben diese Worte intus. Jesus hat sie extra so gewählt, um es uns kinderleicht zu machen. Wir begegnen ihm täglich. 

Mit herzlichen Grüßen

Ihre Anke Doleschal

 

Seit dem 30. August ist die „Urlaubsserenade“ online abrufbar auf der Seite „Gemeinsam im Schuttertal“.

Haben Sie einen Nachbarn, der keinen PC hat? Kennen Sie jemanden, der die „Urlaubsserenade“ wegen technischer Hindernisse nicht anschauen kann? Laden Sie ihn einfach ein zu einem Kaffee oder Wüstenkräutertee und gehen Sie zusammen auf Gedankenreise. Oder lassen Sie sich einladen und bringen Ihr Equipment mit! Verschenken Sie eine gesellige, musikalische Stunde.

 


Sonntag, 09.08.2020  - 9. Sonntag nach Trinitatis

Wochenspruch

„Wem viel gegeben ist, bei dem wird man viel suchen; und wem viel anvertraut ist, von dem wird man umso mehr fordern.“

Lukas 12, 48b

Die Nachbarin hat den Schlüssel! Sie kümmert sich während des Urlaubs um die Blumen und versorgt die Katze. Doch wehe ihr, wenn sie die Blumen ersäuft und die Katze den Appetit verliert. Es ist nicht einfach Verantwortung zu tragen. Beim Anblick der mageren Katze und der modrigen Blumen heißt es dann: Das hätten wir von ihr nicht erwartet!

Wie leicht ist es die Verantwortung für die Blumenkübel und für Nachbars Tiere zu übernehmen im Vergleich zu dem, was Jesus bei diesen Worten vor Augen steht: Du bist der, dem viel anvertraut ist. Du hast einen Lebensschlüssel in der Hand. Gott hat uns mit mehr beauftragt als mit dem Blumengießen. Er hat uns Kinder anvertraut, die wir großziehen, ausbilden und mit inneren Werten auszustatten haben.

Da geht ein Lebenspartner an unserer Seite, dessen Bekanntschaft vor Jahren uns wie Gottes Fügung vorkam. Doch jetzt hat die alltägliche Routine die Liebe fest im Griff. Fühle ich noch, dass dieser Mensch mir anvertraut wurde?

Uns ist Lebenszeit anvertraut, die sinnvoll und rücksichtsvoll zu behandeln ist. Wir leben alle nicht ewig. Die eigenen Ressourcen sind auch mal erschöpft. Nur um Spaß zu haben, ist uns dieses Leben nicht geschenkt. Es ist mir anvertraut sinnvoll anderen ein Segen zu sein.

Gott hat uns die Erde überlassen, uns beschenkt mit Schönheit vor der Haustüre. Wir müssen nicht auf die Straße um zu demonstrieren. Es wäre schon hilfreich, wenn keine Kippen mehr auf der Straße landen, jeder seinen Müll korrekt entsorgt und unsere Natur nicht zur Plattform von alkoholisierten Spaßparties missbraucht wird.

Was machst du mit deinen Begabungen, die er dir geschenkt hat, mit der Ausbildung, die dir möglich gemacht wurde? Wie gehst du um mit den Lehrern, die dir an die Seite gestellt wurden? Machst du was draus? Dir ist viel gegeben – übernimmst du auch Verantwortung deine Talente für andere sinnvoll einzusetzen?

Jesus wendet sich gegen das sinnentleerte Verpassen unserer Lebenszeit, den nachlässigen Umgang mit den Möglichkeiten, die offen stehen und den ungenutzten Gaben, die wir doch einsetzen können.

Schauen wir uns um: Wieviel ist uns gegeben! So viel ist uns anvertraut. 

Die Nachbarin hat die Post sorgfältig gestapelt. Sie hat vor der Ankunft noch mal durchgelüftet. Sie hat das Katzenfutter angereichert, die Katze täglich gestreichelt und zu den zu betreuenden Blumen noch einen Willkommensstrauß dazugestellt.

Es wurde nicht von ihr erbeten. Sie hat gern mehr getan. Wenn da eine Blume eingegangen ist, ist ja nicht schlimm. Wie schön ist es, wenn die Urlauber heimkommen und strahlen: „Das haben wir doch gar nicht erwartet!“ Verantwortung übernehmen ist eine Freude.

Mit herzlichen Grüßen

Ihre Anke Doleschal


Sonntag, 02.08.2020 - 8. Sonntag nach Trinitatis

Wochenspruch

„Lebt als Kinder des Lichts: die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit.“ Epheser 5, 8b.9

Noch ist es abends lange hell. Ein wenig wehmütig sind wir schon, dass die Dauer der hellen Stunden wieder abnimmt. Wir genießen die Abende, an denen wir mit einem Tuch vom Basar der Kirchengemeinde um die Schultern gelegt noch lange auf der Terrasse sitzen, plaudern, grillen, ein Schlückchen trinken…

Uns tut das Licht so gut. Es motiviert uns morgens aufzustehen, es heilt die Seele in Traurigkeit, verleiht uns Tatendrang im Garten die Hacke zu schwingen, inspiriert uns neue Wanderwege zu erkunden. Gottesdienste unter freiem Himmel bei strahlendem Licht richten uns bereits ohne Worte auf.

Das haben wir mit Sonnenblumen gemeinsam. Wie sie bald wieder mit ihren Köpfchen der Sonne zugewandt auf den Feldern stehen! Keiner hat ihnen gesagt in welche Richtung sie schauen müssen. Sie fühlen genauso wie wir, dass das Licht ihnen gut tut.

Such nicht nur das Licht. Sei selber eines! Paulus kennt Ephesus. Was da alles im Untergrund lief! Eine gigantische Metropole war die Hafenstadt Ephesus. Gleich einem Leuchtturm strahlend und verführerisch wies das Artemis Heiligtum den Schiffen den Weg in den Hafen. Für Paulus war das Gedöns um dieses Heiligtum absolut unterirdischer Moloch. Verscherbelt wurden silberne Andenken, es wurde betrogen, bestochen, gelogen, gehurt…Wir wissen, dass Paulus mit seinen Predigten die Andenkenhändler schwer gegen sich aufgebracht hat. Er auch andere finsteren Machenschaften ausgesprochen. Da schlackert man mit den Ohren, wenn man sich das Vokabular aus dem Epheserbrief zu Gemüte führt. Wie leuchtet dagegen die Botschaft Jesu. Er ist der Leuchtturm, seine Worte sind das wahre Heiligtum. „Lasst eure guten Taten leuchten vor den Leuten! Stell dein Licht nicht unter den Scheffel“, hat er uns aufgefordert. Leuchte auch du! Sei anderen ein Licht.

Es leuchtet bereits, wenn wir uns aufmerksam grüßen, statt muffig aneinander vorbeizuziehen. Ein Kind des Lichts muss sich nicht verstecken hinter verspiegelter Sonnenbrille und Kapuze. Ein Kind des Lichts kann sich sehen lassen, weil seine Augen andere anlachen.  

Der Hafen von Ephesus ist inzwischen verlandet. Der Artemis Tempel wurde zum Steinbruch.  Seine Marmorplatten finden sich sogar im Altarbereich des Katharinenklosters im Sinai. Von der Göttin Artemis sprechen heute nur noch die Reiseführer und ihre letzte müde Säule steht einsam in der Landschaft herum. Die stolzen Reiche fallen, die Hände der Gierigen verwesen, die Betrüger konnten nichts festhalten. Doch über allem leuchtet der ermutigende Satz an die ersten Christen von Ephesus: „Lebt als Kinder des Lichts! Die Frucht des Lichts ist lauter Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit.“ Diese Prinzipien haben die Zeiten überdauert. Da stehen wir morgens von der Sonne geweckt am Fenster. Starten wir in einen hellen Tag, mit hellen Gedanken, mit gütigen Worten, mit Fairness und Ehrlichkeit.

Dann scheint die Sonne auch, wenn es regnet. Denn ob es hell ist in unserer Umgebung entscheiden wir als Kinder des Lichts.

Eine lichtdurchflutete Woche

Wünscht Ihnen Ihre Pfarrerin Anke Doleschal

Gottesdienst

Bei schönem Wetter feiern wir am Sonntag um 9.30 Uhr wieder vor der kleinen Friedhofskapelle in Seelbach. Musikalisch werden wir begleitet von Kamal am Saztambour und Herbie am Saxofon.

Falls es regnen sollte, bietet die helle Katharinenkirche eine sichere Zuflucht.

 


Sonntag, 26.07.2020

Film

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Es musizieren Herbie Wickertsheim, Saxofon und Swetlana Renz, Keyboard und Gesang

1. Saxofon: Amazing grace

2. Keyboard: Die Rose

3. Keyboard: Magnificat

4. Saxofon: Ave Maria, Schubert

5. Keyboard und Gesang: Ave Maria Bach / Gounod

6. Saxofon: Patrona Bavariae

 

Mit herzlichen Grüßen auch an alle katholischen Gemeindeglieder!

Text

Der letzte Sonntag vor den Sommerferien hat eine ganz besondere Stimmung: Die Türen sind geöffnet für eine besondere Zeit, wir schauen ins Weite, ins Freie und alles erscheint sonnendurchflutet. Deshalb pilgern wir jedes Jahr zum Gottesdienst nach Schweighausen. Manche verbinden den Besuch mit einer Wanderung, einer Einkehr in die verlockende Gastronomie und genießen die Urlaubslandschaft, die uns umgibt.

Doch dieses Jahr ist alles anders: Zu klein ist die St. Anna Kapelle, zu dicht müssten wir uns drängen…

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Sonntag, 26.07.2020 - 7. Sonntag nach Trinitatis

Wochenspruch

 „So seid ihr nun nicht mehr Gäste oder Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen.“  Epheser 2, 19

Ein verlassenes Haus in Grau zieht meinen Blick auf sich. Welch eine abweisende Ausstrahlung! Der Löwenzahn wächst aus den Ritzen und in kantiger, altmodischer Schrift ist zu lesen, schwarz auf schmutzig ergraut: „Fremdenzimmer“. Es schaudert mich. Hier möchte ich kein Fremder sein. Kein Wunder, dass dieser Art von Gastfreundschaft kein Erfolg beschieden war. Müde und hungrig auf der Suche nach einem Gasthaus vor so einem Schriftzug zu stehen, daneben eine leere, verstaubte Vitrine zu erblicken, lässt mich fühlen, was Fremdling heißt. Wie herrlich ist es dagegen im Orient in eine Hochzeit zu geraten. Man will ja nur gucken, was da los ist und versucht einen Blick auf die Braut in ihrem Kleid zu erhaschen. Kaum habe ich den Kopf durch die Tür gesteckt, da wird mir schon gewinkt und meiner Reisegruppe auch. Flugs haben wir etwas Essbares in der Hand und werden zum Tanz aufgefordert. Ja, hierbleiben! Nicht schlafen gehen! Essen, trinken, tanzen, fotografieren…was für eine Ehre! Wie oft haben wir das auf Reisen erlebt, am äußersten Rande von Armenien, mitten in Jordanien, in Ägypten…Da waren wir Gäste, wurden aber behandelt wie willkommene Mitbürger. Da verzeiht man uns den mangelnden Hüftschwung beim Tanz, die ungelenken Bewegungen und das schüchterne Lächeln. Wir dürfen dazu gehören und werden angestrahlt. Die Tradition dieser Gastfreundschaft ruht auf dem religionsverbindenen Fundament: Wenn Gott dir einen Gast schickt, könnte es ein Engel sein. Wie die drei Männer, die Abraham besucht haben und ihm seinen sehnlichsten Wunsch voraussagten: Er, der alte Mann und seine Sarah werden einen Sohn bekommen. Gut, dass Sarah eifrig Rosinenkuchen gebacken und einen Braten zubereitet hat. Es waren Boten Gottes.

Auch wir wären gerne wieder reisend unterwegs und sehnen uns nach dieser Gastfreundschaft. Doch benehmen wir Gäste uns wie Engel? Nehmen wir Rücksicht auf unsere Gastgeber? Die Bilder der jungen Gäste, die in der Bier–und Ballermann – Avenue auf Mallorca gegrölt haben, ungeachtet der vielen Opfer, lassen uns fremdschämen. Das sind keine willkommenen Engel, sondern im Schrecken einer Pandemie eher Todesengel.

Vor diesen Gästen graust es dem Gastgeber. Solches Verhalten befremdet und macht uns zu Fremdkörpern, die nicht willkommen sind. Das in einer Zeit, in der Gastgeber weltweit sich sehnen nach Gästen! In einer Zeit, in der jeder Gast wie ein Engel erscheinen muss, der aus der Krise hilft! Es gibt einen Festsaal, der trotz Corona sperrangelweit aufsteht. Es ist ein Festsaal, in den wir nicht als neugierig heranschleichende Touristen linsen. Es ist ein Festsaal, der durchgehend geöffnet ist und mit einem Schutzkonzept, das die Zeiten überdauert. Es ist der Festsaal Gottes, in dem wir willkommen sind als „Mitbürger der Heiligen“ und als „Gottes Hausgenossen.“ Jeder Sonntag ist Vorgeschmack auf diese Gemeinschaft. Jedes Mal, wenn wir uns als Gemeinde versammeln, sei es bei Freiluftgottesdiensten oder in der Katharinenkirche, jedes Mal, wenn wir in Gottes Namen zusammenkommen, ist keiner mehr von uns Fremder oder Gast, sondern Mitbürger und Gottes Hausgenosse. Wir sehnen uns nach dem griechischen Abend am Meer, nach den orientalischen Vorspeisen, nach den skandinavischen hellen Nächten und nach Menschen, die uns verwöhnen. Dabei können wir hier in der Kirche am Ort jeden Sonntag erleben, was Gastfreundschaft heißt: In Gottes Haus, unterm Himmelszelt oder Kirchendach bist du willkommen! Du, Gottes Hausgenosse!

Mit herzlichen Grüßen 

Ihre Pfarrerin Anke Doleschal

Onlinegottesdienst

Am 26. Juli hätten wir uns traditionell in der kleinen St. Anna Kapelle in Schweighausen getroffen. Da saßen wir immer dicht beieinander und haben gestaunt, wie viele Menschen in die kleine Kapelle passen. Das geht dieses Jahr leider nicht. Dieser Gottesdienst muss entfallen. Stattdessen senden wir einen „Gruß aus der Kirche“ aus der St. Anna Kapelle, zu finden auf unsere Homepage. Herzlich willkommen zum „online Gruß“ daheim!

 


Sonntag, 19.07.2020 - 6. Sonntag nach Trinitatis

Wochenspruch:

 „So spricht der Herr, der dich geschaffen hat, Jakob und dich gemacht hat, Israel: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!“ Jesaja 43, 1

Hören wir gern, wenn uns jemand ruft? Mit langgezogenen Vokalen und erhobener Stimme? Meist folgt dem Namen ein Kommando: Irene, das Bier ist leer! Isolde, wo liegen die Grillsteaks? Igor, der Rasen muss gemäht werden!  Ähnlich klingt es auch auf dem Sportplatz, wiederum verbunden mit Kommandos wie der Ball nun zu befördern sei. Irgendwann mag man seinen Namen dann nicht mehr hören. Der Name wird zu oft begleitet von Gebrüll und Kritik, lästigen Aufträgen und Forderungen. „Fürchte dich nicht!“ richtet uns Jesaja von Gott aus.  Wie wohltuend ist es zunächst einmal beruhigt zu werden. Da erschrecken wir nicht, wenn unser Name fällt. Das ist anders als damals, als wir in Physik aufgerufen wurden und am liebsten unter den Tisch gekrochen wären als an der Tafel zu stehen. Das ist anders als damals, als uns das Herz beim Hören des Namens stehenblieb, weil unser Hirn noch nicht den Lernstoff beherbergt hatte.

„Fürchte dich nicht!“ Gott kennt die Angst beim Hören des Namens. Gott weiß, wie es uns durchzuckt, wenn auf einmal wir gemeint sind.

„Monika, kommen Sie bitte zu einem Gespräch in mein Büro.“ 

Was gibt das nun? Ist was nicht in Ordnung? „Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst.“ Wer erlöst ist, ist frei, ist locker, ist Sorgen los. Der fürchtet sich nicht, wenn der Name erklingt. Bei unserer Taufe haben höchstens wir geschrien, doch angeschrien hat uns niemand. Wir wurden gehalten und gewiegt, getröstet und beruhigt. Unser Name fiel ganz sanft verbunden mit gewärmtem Wasser und wärmenden Worten. „Du bist mein.“ Gott schreit unseren Namen nicht quer über das Fußballfeld, er keift nicht hinter uns her und übt keine Kritik an unserem Unvermögen. „Du bist mein.“ Das ist ein klassischer Bestandteil eines Liebesgedichtes. Wer liebt, dem ist der Name des anderen wertvoll. Für Liebende gibt es keinen schöneren Namen als der Namen des anderen. Auf einmal werden gewöhnliche Namen zu Kostbarkeiten. „Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein.“ Haben Sie einen Menschen, dessen Namen sie lieben? Menschen, deren Namen für Sie wichtig sind? Namen, die Sie gerne aussprechen, weil die Menschen dahinter ihnen kostbar sind?

Unser Name ist für Gott kostbar. Jesaja richtet uns diese Liebeserklärung aus. Was bedeutet uns Gottes Name?  „Geheiligt werde dein Name“, beten wir im Vater Unser. Das ist unsere Antwort ihm gegenüber. Dein Name ist auch mir heilig. Wie in einer Liebesbeziehung. Behalten wir unsere Zunge im Blick, wie wir mit seinem Namen umgehen und mit den Namen derer, die wir rufen. 

Mit herzlichen Grüßen

Ihre Pfarrerin Anke Doleschal


Sonntag, 05.07.2020  - 4. Sonntag nach Trinitatis

Wochenspruch

 „Einer trage des andren Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen.“ (Galater 6,2)

 

„Das ist unser Trauspruch!“, höre ich oft. Mein Gegenüber strahlt. „Wie schön, dass ich diesen Vers mal wieder gehört habe.“

Ist das nicht erstaunlich? Am Hochzeitstag wird das junge Paar konfrontiert mit der Last, die da kommen könnte. Entweder haben beide vor lauter Glück gedacht: „Für dich trag ich alles“ oder die Augen der Liebe lassen Last nicht schwer wirken. Wer liebt ist ja zu Vielem fähig. Genau diese freundlichen Augen der Liebe meint Paulus, wenn er von der Last spricht. Er spricht dabei nicht ausdrücklich vom Aufbauen der gemeinsamen Existenz, vom Häusleabzahlen und Kindergeschrei, Gebrechlichkeit und Haarausfall. Nein, er spricht von einer anderen Last: Die Last mitzuerleben, dass der andere einen Fehler gemacht hat.

„Wenn ein Mensch von einer Verfehlung ereilt wird, so helft ihm wieder zurecht…“ Der andere hat Fehler. Der andere hat seine Kanten, der andere hat seine Ängste und Verstimmungen, der andere kann irren und Fehlentscheidungen treffen, er kann naiv sein und alles zu rosig sehen…Da fängt es an zu kribbeln. Wie sag ich es ihm? Manche verwenden die Methode: „Ich sag halt, was ich denk.“ Dann knallt es meistens, denn einen kalten Waschlappen möchte niemand um die Ohren geschleudert bekommen. Manche wissen es einfach besser und merken nicht, dass sie Besserwisser sind. Dann knallt es irgendwann, wenn das Fass überläuft. „Wenn jemand meint, er sei etwas, obwohl er doch nichts ist, der betrügt sich selbst“, meint Paulus dazu. Paulus gibt uns einen Tipp: „Schau auf dich selbst“. Wir wissen ja, wenn wir mit dem Finger auf andere zeigen, weisen drei Finger auf uns zurück. Was dem anderen passiert ist, kann dir genauso geschehen. Paulus empfiehlt einen „sanftmütigen Geist“. Bei Brautpaaren sind es die Augen der Liebe. Machen wir die Last des andern nicht noch schwerer, indem wir auch noch Vorwürfe und Schelte aufbürden egal, ob am Küchentisch, an Nachbars Zaun, am Stammtisch, beim Kommentieren der Nachrichten…Der andere ist wie du. Jeder hat seine Last. Hilf ihm in Liebe.

Mit herzlichen Grüßen von Pfarrerin Anke Doleschal


Rosenfest

Sonntag, 28.06.2020


Sonntag, 20.06.2020 – 2. Sonntag nach Trinitatis

Da wir Gottesdienste unter anderen Bedingungen wieder gemeinsam feiern, finden Sie für diesen Sonntag hier keinen Film, aber gerne den aktuellen Text.

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